Amanda Palmer & Edward Ka-Spel @ Fabrik HH 05.06.17

AFP Beitragsbild
Am frühen Pfingstmontag-Abend um 20.20 Uhr betraten Palmer, Ka-Spel und Violinist Wright die Bühne, sichtlich irritiert über die Helligkeit, die durch das Dach der Fabrik, sowohl die Bühne, als auch das Publikum taghell erschienen ließ. Nicht die besten Voraussetzungen für einen dunklen Gothic-Abend vollgepackt mit tragischen und bittersüßen Songs. Mehrere Male äußerte sich Amanda Palmer dazu, das es so ungewohnt sei, bei einem Clubkonzert in die Gesichter des Publikums sehen zu können. Dies ist wohl auch das einzige Konzert gewesen, bei dem ein komplettes Stück nicht gesehen wurde. Zu ‚The Clock At The End Of The Cage‘ sollten alle die Augen schließen, um der Stimmung des Stückes gerecht zu werden. Alles in allem hätte ich mir manchmal eher gewünscht, die Ohren schließen zu können.
Das alle drei großartige Musiker sind und ihr Handwerk verstehen, steht außer Frage. Da mich das Album ‚I Can Spin A Rainbow‘ schon nicht mitreissen konnte, kann man hier nachlesen. Dennoch habe ich gehofft, das die Live-Umsetzung meine Meinung etwas neutralisieren könnte. Die Performance war gemäß der Musik sehr getragen und spukhaft. Alles geschah irgendwie in Zeitlupe und ich fühlte mich zeitweise wie in einer Blase. Natürlich klebten alle an Palmers Lippen, wenn sie zwischen den Stücken Anekdoten über Tod, Teufel und Trump zum Besten gab. Hier wachte man auf, hier kamen Emotionen auf, und wenn jemand weiß, wie man das Publikum unterhält, dann ist es Amanda Palmer. Doch das reichte an diesem Abend nicht. Denn da war ja noch Edward Ka-Spel. Der Typ ist einfach dröge und sein bedeutungsschwangeres Gehabe nervte mich bereits beim zweiten Song. Auf der rechten Seite also der oft ungelenk wirkende Brite, der sich hinter der Elektronik versteckte und oft angestrengt zu erkennen versuchte, was auf seinem Laptop vorging. In der Mitte der virtuos aufspielende Patrick Q. Wright und links am Piano die flippige Allrounder-Künstlerin, die sich sichtlich zurücknahm, um ihren Partnern nicht die Show zu stehlen. Angekündigt wurde, das es neben Songs der aktuellen Scheibe auch ein paar Stücke von beiden Seiten geben werde. Da ich im unendlichen Universum der Legendary Pink Dots nicht so bewandert bin, konnte ich diese nicht erkennen. Palmer intonierte eine schöne, dunkle Fassung von ‚Mrs. O.‘ und in der Zugabe mit ‚Half Jack‘ einen echten Kracher. Dies waren dann auch die Stücke, die das Publikum entsprechend frenetisch feierte. Dagegen wirkte der Ausflug Ka-Spels, der sich in ein Leben als Fliege einfühlte, eher peinlich. Ich glaube, viele hätten sich etwas mehr Dynamik gewünscht. Ich konnte viele Blicke und Interaktionen im Publikum auf Smartphones wahrnehmen, die nichts mit der Kamera zu tun hatten. Zwei Stunden spielte das Trio auf und es gab natürlich auch einige zauberhafte Momente. Die Ankündigung gegen Ende, das die drei sich darauf freuen, irgendwann wieder nach Hamburg zu kommen, um dann in anderer Zusammensetzung andere Projekte vorzustellen, dürften einige mit Erleichterung aufgenommen haben. Der Charme der Legendary Pink Dots ist einfach verblasst und ein Revival, mithilfe einer hippen Künstlerin aus dem Social Media Zeitalter herbeizuführen, gescheitert. Und auch mein Bedarf an Violinenmusik ist für’s erste gedeckt. Das ist allerdings nicht die Schuld des überragenden und sehr sympathisch wirkenden Patrick Q. Wright, sondern allein mein Empfinden.

Bandcamp
Amanda Palmer • Edward Ka-Spel/ Legendary Pink Dots • Patrick Q. Wright

 

Fotos vom Konzert:

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