Laibach – Also Sprach Zarathustra

Seit über 35 Jahren sind die Slowenen nun unterwegs. Über die Geschichte Laibachs als Band und deren künstlerischen Werdegang kann man lange berichten, philosophieren oder auch streiten. Fakt ist, das es kaum eine Formationen gab oder gibt, die über einen so langen Zeitraum dermaßen stringent zwischen Performance-Kunst, Rockmusik und Provokation wandelten.
Die Textzeilen in ‚WAT (We Are Time)‘ geben ziemlich präzise wieder, wie sie selbst sehen:

 

WE ARE NO ORDINARY TYPE OF GROUP
WE ARE NO HUMBLE POP MUSICIANS
WE DON“T SEDUCE WITH MELODIES
AND WE’RE NOT HERE TO PLEASE YOU
WE HAVE NO ANSWERS TO YOUR QUESTIONS
YET WE CAN QUESTION YOUR DEMANDS
WE DON’T INTEND TO SAVE YOUR SOULS
SUSPENSE IS OUR DEVICE

Auch wenn sie sich auf ihrem letzten „populären“ Album ‚Spectre‘ so politisch klar wie nie zuvor zeigten, bestechen sie ansonsten eher mit subtilen oder provozierenden Symboliken und überlassen dem oft ratlos bis geschockten Hörer das Urteil.

Neben den selbst komponierten Werken, waren Laibach auch immer für Neuinterpretationen von Stücken und ganzen Werken von Klassik bis Pop zu haben. Genannt seien in diesem Zusammenhang die Aufführung von Macbeth, das Coveralbum zu ‚Let It Be‘ der Beatles, sechs Neufassungen von ‚Sympathy For The Devil‘ der Stones, oder auch die Computerversion der ‚Kunst der Fuge‘ von Johann Sebastian Bach.

Nun ist also Friedrich Nietzsche dran. Ähnlich wie 1987 bei Macbeth, zu dessen Aufführung im Hamburger Schauspielhaus die Band die Musik beisteuerte (nebst aufwendiger LP-Veröffentlichung und kontroverser Covergestaltung), ist dies eine Vertonung zu einer Theateraufführung 2016 im slowenischen Novo Mesto.

Das man daher keine brachiale und stampfende Scheibe erwarten konnte, bestätigt sich sehr schnell. Natürlich werden Laibach bis heute für ihre kraftvollen und epochalen Tracks geliebt und gehasst. Aber dies ist eben nur eine Facette der Gruppe. ‚Also Sprach Zarathustra‘ ist alles andere als laut. Eher meditativ und dem Ambient verhaftet. Das einzige was hin und wieder grollt, sind die gesprochenen Textpassagen, die Milan Fras gewohnt brummig und mit heftigen Akzent zum Besten gibt. Ansonsten, das muss ich leider sagen, herrscht Langeweile. Zu still, zu wenig Abwechslung und zu elektronisch, zu wenige Druck. Während Macbeth nun auch nicht gerade leicht zu konsumieren war, wurden die Klangkonstrukte dort zumindest noch von Hand hergestellt. Dort traf Metall auf Metall, echte Streichinstrumente aller Größen waren dabei und stakkatohafte Percussions, sowie verstörende Geräusche trafen uns unvorbereitet wie die Faust aus dem Dunkel. Macbeth klang erdig und organisch, kalt und schrecklich, aber es war spannend. Das funktionierte auch, sollte man sich nicht mit der Materie haben. Hier fühlt es sich eher umgekehrt an. Ich glaube nicht, das Nietzsche oder gar Wagner-Freunde sich um diese Scheibe scharen werden.

Man kann viel in die Intention der hier dargebotenen Klänge und Sprachexperimente hinein dichten. Letztendlich ist ‚Also Sprach Zarathustra‘ für mich aber kein Album, das ich mir in Ruhe anhören möchte. Wenn es künstlerisch wertvoll ist, kann ich es leider nicht erkennen. Ist aber auch nicht schlimm.

Denn eins ist sicher: In jedem Fall bleibt das slowenische Künstlerkombinat unberechenbar und unangepasst. Das kann anstrengend und manchmal auch enttäuschend sein. In jedem Fall braucht die Welt aber diese Band. (1/5 • 8%)

Laibach

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